Auszahlplan fürs Altersvorsorgedepot: So verrentest du dein Vermögen richtig
Kurz gesagt
Ein Auszahlplan aus dem Altersvorsorgedepot wandelt dein angespartes Wertpapiervermögen im Ruhestand in ein regelmäßiges Einkommen um. Durch automatische oder manuelle Anteilsverkäufe entnimmst du monatlich oder jährlich Geld, während das restliche Kapital weiterhin am Kapitalmarkt investiert bleibt. Entscheidend für den Erfolg sind eine nachhaltige Entnahmerate, ein ausreichender Cash-Puffer und der Blick auf Steuern.
Mit KI-Unterstützung erstellt. Vor der Veröffentlichung automatisch geprüft per KI-Faktencheck.
Inhalt
- 1.Wie funktioniert ein Depot-Auszahlplan in der Praxis?
- 2.Die richtige Entnahmerate: Wie viel Geld kannst du entnehmen?
- 3.Das Risiko der ersten Jahre: Sequence of Returns Risk
- 4.Steuerliche Besonderheiten bei der Depotentnahme
- 5.Schritt für Schritt zum eigenen Auszahlplan
- 6.Fazit: Mit System zur privaten Zusatzrente
Jahrelang hast du fleißig ETFs bespart, Dividenden reinvestiert und dein Vermögen wachsen sehen. Doch mit dem Eintritt in den Ruhestand dreht sich die Logik um: Aus der Ansparphase wird die Entnahmephase. Plötzlich stehst du vor der Herausforderung, dein Depot so zu entsparen, dass das Geld bis ans Lebensende reicht – ohne dass ungeschickte Verkäufe oder Börsencrashes deine Rente gefährden.
Wie funktioniert ein Depot-Auszahlplan in der Praxis?
Beim Auszahlplan aus einem Wertpapierdepot gibt es zwei grundlegende Modelle: den automatisierten Auszahlplan der Bank und die manuelle Entnahme. Ein automatisierter Auszahlplan funktioniert wie ein gedrehter Sparplan. Deine Bank verkauft zu einem Stichtag (z. B. am ersten Arbeitstag des Monats) Anteile deiner ausgewählten ETFs oder Aktien für einen von dir festgelegten Euro-Betrag und überweist das Geld auf dein Girokonto.
Nicht alle Broker bieten diesen Service kostenfrei oder überhaupt an. Die Alternative ist die manuelle Steuerung. Hierbei verkaufst du einmal im Quartal, Halbjahr oder Jahr gezielt Anteile selbst. Das erfordert etwas Disziplin, bietet dir aber maximale Flexibilität. Du kannst Ausschüttungen und Dividenden direkt zur Deckung deines Lebensunterhalts nutzen und musst nur den Differenzbetrag durch Anteilsverkäufe ausgleichen.
Die richtige Entnahmerate: Wie viel Geld kannst du entnehmen?
Die zentralste Frage beim Entsparen lautet: Wie viel Prozent meines Kapitals darf ich pro Jahr verkaufen? Bekannt ist die sogenannte Vier-Prozent-Regel aus den USA. Sie besagt, dass du im ersten Jahr vier Prozent deines Startkapitals entnehmen und diesen Betrag in den Folgejahren an die Inflation anpassen kannst, ohne dass das Geld über 30 Jahre hinweg ausgeht.
Für den deutschen Markt lässt sich diese Regel nicht eins zu eins übernehmen. Höhere Abgaben, Steuern sowie potenziell längere Ruhestandsphasen erfordern oft vorsichtigere Annahmen. Eine nachhaltige Entnahmerate liegt häufig eher zwischen 3,0 und 3,5 Prozent des anfänglichen Depotwerts.
Folgende Faktoren bestimmen deine individuelle Entnahmerate:
- Anlagehorizont: Planst du mit 20, 30 oder vielleicht 40 Jahren Ruhestand?
- Flexibilität: Kannst du deine Entnahmen in schwachen Börsenjahren spontan kürzen?
- Vermögenserhalt: Soll am Ende deines Lebens Restkapital an Erben gehen oder strebst du einen vollständigen Kapitalverzehr an?
- Steuerabzüge: Brutto-Entnahme ist nicht gleich Netto-Einkommen auf deinem Konto.
Das Risiko der ersten Jahre: Sequence of Returns Risk
Das größte Risiko in der Entnahmephase ist das sogenannte Renditereihenfolgerisiko (Sequence of Returns Risk). Wenn die Börsen genau in den ersten Jahren deines Ruhestands stark einbrechen und du gleichzeitig Anteile verkaufen musst, um deinen Lebensunterhalt zu bestreiten, verkleinerst du deinen Kapitalstock übermäßig stark. Dem Depot fehlen später die Anteile, um von einer Erholung zu profitieren.
Ein Cash-Puffer von zwei bis drei Jahresausgaben schützt dein Depot in Krisenphasen davor, Anteile zu Tiefstpreisen verkaufen zu müssen.
Um diesem Risiko zu begegnen, hat sich die Sicherheitsbaustein-Strategie bewährt. Dabei hältst du deinen Geldbedarf für zwei bis drei Jahre auf einem Tagesgeld- oder Festgeldkonto. Fällt der Markt, lebst du vom Barvermögen und lässt dein ETF-Depot unangetastet. Erholen sich die Kurse wieder, füllst du den Cash-Puffer durch Verkäufe auf.
Steuerliche Besonderheiten bei der Depotentnahme
In Deutschland unterliegen Kursgewinne und Dividenden der Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Bei Aktien-ETFs greift jedoch die Teilfreistellung von 30 Prozent, wodurch nur 70 Prozent des Gewinns besteuert werden.
Wichtig beim Verkauf: Es gilt das FIFO-Prinzip (First In, First Out). Die zuerst gekauften Anteile gelten als zuerst verkauft. Da diese meist die höchsten Kursgewinne aufweisen, ist die Steuerlast zu Beginn der Entnahmephase oft am höchsten. Ein gezieltes Depot-Umschichten oder die Nutzung mehrerer Depots kann helfen, Gewinne steuerlich besser zu steuern. Beachte bitte, dass dies keine individuelle Steuerberatung darstellt, sondern lediglich grundlegende Prinzipien aufzeigt.
Schritt für Schritt zum eigenen Auszahlplan
Wenn du dein Altersvorsorgedepot entsparen möchtest, empfiehlt sich ein strukturiertes Vorgehen:
- Lücke ermitteln: Berechne deinen tatsächlichen monatlichen Raumbedarf abzüglich gesetzlicher Rente oder anderer fester Einnahmen.
- Sicherheitsbaustein aufbauen: Schaffe vor dem Stichtag ausreichend Liquidität auf einem Tagesgeld- oder Festgeldkonto.
- Entnahmedynamik wählen: Entscheide, ob du einen festen Euro-Betrag entnimmst oder eine flexible Prozentmethode nutzt.
- Übersicht behalten: Nutze Tools wie Planafolio, um deine Vermögensentwicklung, deine Asset Allocation und die Reichweite deines Depots im Blick zu behalten.
- Jährliches Rebalancing: Überprüfe einmal im Jahr die Verteilung deiner Anlagen und passe deine Verkäufe entsprechend an.
Fazit: Mit System zur privaten Zusatzrente
Ein Auszahlplan macht aus deinem mühsam aufgebauten Depot eine verlässliche Geldquelle für den Ruhestand. Entscheidend ist, dass du nicht blind einen starren Prozentwert festlegst, sondern flexibel bleibst und Marktphasen berücksichtigst. Mit einem soliden Barpuffer, einem klaren Blick auf Steuern und einer realistischen Entnahmerate sicherst du deine finanzielle Unabhängigkeit im Alter nachhaltig ab.
Weitere Artikel zu Altersvorsorge
Altersvorsorgedepot: Aktueller Stand und was die Reform für dich bedeutet
Wie steht es um das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot? Ein Überblick zum aktuellen Gesetzgebungsstand, den geplanten ETF-Förderungen und den nächsten Schritten.
4 Min. LesezeitAltersvorsorgedepot eröffnen: so gehst du vor
Ein eigenes Altersvorsorgedepot gibt es nicht — nur ein normales Depot mit klarem Zweck. Anbieterwahl, Eröffnung und Strategie in fünf Schritten.
5 Min. LesezeitAltersvorsorge: wie viel Kapital brauchst du?
Die Frage, wie viel Geld man für den Ruhestand ansparen muss, beschäftigt viele. Dieser Artikel beleuchtet die deutsche Rentenlücke, gängige Faustregeln zur Sparquote und Kapitalziele sowie das Zusammenspiel von gesetzlicher und privater Vorsorge.
5 Min. LesezeitDas könnte dich auch interessieren
Sieh dir diese Kennzahlen für dein eigenes Depot an
Kostenlos starten, in wenigen Minuten dein erstes Portfolio anlegen.
Kostenlos starten