Kennzahlen·4 Min. Lesezeit

XIRR vs. TTWROR: Warum zwei Kennzahlen unterschiedliche Zahlen zeigen

Von der Planafolio-Redaktion··Aktualisiert am
XIRR vs. TTWROR: Warum zwei Kennzahlen unterschiedliche Zahlen zeigen

Wer ein Depot über mehrere Jahre bespart, stößt früher oder später auf zwei Renditezahlen, die nicht übereinstimmen: die geldgewichtete Rendite (XIRR) und die zeitgewichtete Rendite (TTWROR). Beide sind korrekt — sie beantworten nur unterschiedliche Fragen. Wenn deine Depotbank eine Zahl zeigt und dein Tracking-Tool eine andere, liegt das fast immer daran, dass die beiden verschiedene Kennzahlen meinen.

XIRR: Wie gut waren deine Entscheidungen?

XIRR beantwortet: „Wie gut war meine persönliche Investitionsentscheidung, inklusive Zeitpunkt und Höhe meiner Einzahlungen?" Wer kurz vor einem Kursrutsch eine große Summe eingezahlt hat, sieht das direkt an einem niedrigeren XIRR — obwohl das zugrunde liegende Investment identisch war.

Rechnerisch ist XIRR der Zinssatz, bei dem alle deine Ein- und Auszahlungen, auf heute abgezinst, genau den aktuellen Depotwert ergeben. Jede Zahlung geht mit ihrem echten Datum ein. Genau deshalb schlägt sich dein Timing in der Zahl nieder: Geld, das früh eingezahlt wurde, wirkt länger; Geld, das kurz vor einem Rücksetzer kam, drückt das Ergebnis.

TTWROR: Wie gut war das Investment selbst?

TTWROR beantwortet dagegen: „Wie hat sich mein Investment entwickelt, unabhängig davon, wann und wie viel ich eingezahlt habe?" Diese Zahl eignet sich, um die Qualität einer Anlagestrategie mit einem Vergleichsindex (Benchmark) zu vergleichen — Ein- und Auszahlungen verzerren sie nicht.

Das gelingt, indem der Gesamtzeitraum an jeder Ein- und Auszahlung aufgetrennt wird. Für jeden Abschnitt wird die Rendite einzeln berechnet, und die Abschnitte werden anschließend geometrisch miteinander verkettet. Heraus kommt die Rendite, die ein Investment erzielt hätte, wenn durchgehend derselbe Betrag angelegt gewesen wäre. Aus demselben Grund werden auch professionelle Vermögensverwalter an der TTWROR gemessen: Sie entscheiden über die Anlagen, nicht darüber, wann ihre Kundschaft einzahlt.

Welche Zahl wann?

Für den Alltag heißt das:

  • Nutze XIRR, um zu beurteilen, ob sich dein bisheriges Verhalten — deine Sparplan-Erhöhungen, dein Timing bei Einmalzahlungen — für dich persönlich gelohnt hat.
  • Nutze TTWROR, wenn du wissen willst, ob deine gewählten Wertpapiere oder ETFs besser oder schlechter als der Markt liefen.
Kurz gesagt: XIRR bewertet dein Verhalten, TTWROR bewertet deine Auswahl.

Der interessante Fall: Wenn beide auseinanderlaufen

Aufschlussreich wird es, wenn die beiden Zahlen deutlich voneinander abweichen. Eine hohe TTWROR bei spürbar niedrigerem XIRR heißt: Deine Auswahl war gut, aber ein großer Teil deines Geldes kam zu ungünstigen Zeitpunkten ins Depot. Der umgekehrte Fall — XIRR über TTWROR — bedeutet, dass du überdurchschnittlich viel Kapital in Phasen investiert hattest, die anschließend gut liefen.

In beiden Fällen ist keine der Zahlen falsch. Sie trennen nur zwei Dinge, die sonst vermischt bleiben: die Qualität deiner Auswahl und die Effizienz deiner Geldflüsse. Erst diese Trennung zeigt dir, an welcher Stelle sich Nachbessern überhaupt lohnt.

Beide Zahlen nebeneinander

In Planafolio siehst du beide Zahlen direkt nebeneinander in der Analyse-Ansicht, damit du nicht raten musst, welche gerade die richtige Frage beantwortet. Möchtest du deine geldgewichtete Rendite selbst nachrechnen, kannst du dafür den kostenlosen XIRR-Rechner nutzen — Cashflows eintragen, aktuellen Depotwert ergänzen, fertig.

Dieser Beitrag ist eine allgemeine Einordnung und ersetzt keine individuelle Finanz- oder Steuerberatung.

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